Kann man in Boxsim eigene Messdaten seiner Chassis nutzen?

In Boxsim wurde bewusst die Möglichkeit vorgesehen, Frequenz- und Impedanzgänge aus einer ASCII-Datei lesen zu können und basierend auf diesen auch zu simulieren. Dem engagierten Hobby-Lautsprecherbauer, der selbst in der Lage ist, Frequenzgänge zu messen, bietet sich damit die Möglichkeit individuelle Daten seiner Chassis mit in die Simulation einzubeziehen.

Folgende Vorgehensweise wird empfohlen:
1. Eine mitgelieferte Chassisdatei für ein Chassis gleicher Nennimpedanz und etwa gleicher Größe laden.
2. Mit diesem Chassis simulieren und sehen ob die Simulation prinzipiell rechnet und plausible Ergebnisse (für das geladene Chassis) liefert. Wenn jetzt weiter unten etwas schief geht, liegt es an den eingegebenen Chassisdaten und nicht an einer anderweitig fehlerhaften Eingabe.
3. Im Chassiseditor auf der Karte "Chassidaten" alle Daten ausfüllen bis auf Le, Re2, Le2, Re3 und Le3.
4. Frequenzgang und Impedanzgang aus einer ASCII-Datei einlesen. Die meisten Messprogramme können passende Dateien exportieren. Einzelheiten zu dem erwarteten Format siehe unten. Für den Importvorgang muss der Knopf "Import ..." angeklickt werden. Wenn die gemessene akustische Phase benutzt werden soll, muss unbedingt der angenommenen Schallentstehungsort (SEO) korrekt angegeben werden. Ist dieser nicht bekannt, sollte man besser ohne Messdaten für die akustische Phase simulieren.
5. Wenn der Impedanzgang (zumindest die Amplitude) eingelesen ist, können durch den Knopf "Re.. und Le.. aus Impedanzgang errechnen" die noch fehlenden Werte des Ersatzschaltbilds errechnet werden.
6. Die Angabe, wo der Frequenzgang gemessen wurde ist sehr wichtig. Bei Messdaten der eigenen Box die auch Objekt der Simulation ist, wird "zu simulierende Box" angegeben. Ist nicht bekannt, in welcher Umgebung gemessen wurde, sind die Messdaten für Boxsim nicht brauchbar.
7. Nicht vergessen, auf der Karte "Schallwand und Position" die Membranform und den Durchmesser des Schallaustritts, also den akustisch relevanten Membrandurchmesser anzugegeben. Wenn der Empfehlung in Pkt. 1 gefolgt wurde, kann der reale Wert nicht weit von dem weg liegen, was in dem Feld schon drinsteht. In diesem Fall wäre ein Vergessen dieses Punkts nicht so dramatisch.
8. Die Rechenergebnisse kritisch beäugen und überlegen ob das sein kann. Dann erst glauben.

Das erwartete Format der Importdateien
Erwartet wird eine mit Tabulator, Semikolon oder Leerzeichen getrennte ASCII-Datei mit Frequenz, Amplitude [dB] und/oder Phase in einer Zeile. Dezimaltrenner darf "," oder "." sein, Tausendertrenner sind nicht erlaubt. E-Format wird ebenfalls akzeptiert, nachfolgende Einheiten und Leerzeichen werden ignoriert.
Zeilen die nicht mit Leerzeichen, "+", "-", ".", "," oder einer Ziffer beginnen werden gänzlich ignoriert. Amplitude wird in dB/2,83V/m erwartet und Phasenlage in Grad. 0 Grad bedeutet Membran ist beim positiven Spannungsmaximum am hinteren Auslenkungsmaximum. Im normalen Arbeitsbereich eines Chassis oberhalb der Eigenresonanz bewegt sich die Phasenlage also in der Regel zwischen +90° und -90°. Erst zu hohen Frequenzen hin wird sie zu negativeren Werten abdriften, wenn als Schallentstehungsort die Schallwandebene angegeben wurde.

zurück